Ratskeller Oldenburg

Geschichte des Ratskellers

Um zu erfahren, was es mit den Ratskellern eigentlich auf sich hat, muss man wissen, dass es früher üblich war, im Keller eines Rathauses eine Weinstube einzurichten und mit deren Erlös das Gebäude zu unterhalten. So bilden Rathaus und Ratskeller seit alters her eine Einheit.

Dies hat auch in Oldenburg Tradition. Ob die Einrichtung des Ratskellers schon beim Bau des ersten Rathauses geplant war, lässt sich zwar nicht mehr genau feststellen, aber man kann wohl davon ausgehen.

Auf dieser Seite möchten wir Ihnen einen kleinen Überblick über die ältere, aber auch die jüngere Geschichte des Ratskellers und, damit verbunden, natürlich auch über die Stadt Oldenburg geben.

Wir hoffen, Ihnen gefällt dieser kleine Rückblick.

(Abb.: Stadtrechtsurkunde Oldenburg)

Wie alles begann ...

wird man wohl nie ganz herausfinden können, liegen doch die Anfänge Oldenburgs und somit auch die des Ratskellers weitestgehend im Dunkel der Geschichte verborgen. Ein erstes Licht in dieses Dunkel bringt das Jahr 1108, in dem Oldenburg als "Aldenburg" erstmals urkundlich erwähnt wird.

Für den Ratskeller gehen noch weitere zwei Jahrhunderte ins Land bis er in den Chroniken der Stadt zu finden ist. Seinen Anfang kann man um das Jahr 1345 vermuten. Am 6. Januar wurde Oldenburg durch den Grafen Konrad das bremische Stadtrecht verliehen. Das Rathaus wurde danach erbaut und somit wohl auch der Ratskeller.

Urkundlich erwähnt wird der damalige "Stadtkeller" allerdings erst zehn Jahre später, genau am 29.03.1355 findet sich ein Eintrag in den Chroniken der Stadt.

Stadtansicht um 1598 von Pieter Bast

1355, 29. März, Oldenburg

Aus dem Oldenburger Urkundenbuch:
"Die Grafen Johann, Christian und Wilhelm von Oldenburg, Gebrüder, sowie die Grafen Konrad, Gerhard und Christian von Oldenburg, Gebrüder, verbieten im Einvernehmen mit ihren Rittern und dem Rate zu Oldenburg für die nächsten 6 Jahre zugunsten des Oldenburger Bieres den Verkauf fremder Getränke in der Stadt wie in der Herrschaft Oldenburg. Ausgenommen wird der Stadtkeller zu Oldenburg, wo die Ratsherren Wein und fremdes Bier halten dürfen, und das Stadtland, wo Bremer Bier verkauft werden darf." (Quelle: Oldenburger Urkundenbuch, Bd.1, von Prof. Dr. D. Kohl)

Aus den Chroniken der Stadt:
" ... It enwere dat the ratmanne van Oldenborch wyin vnde vromede ber in eres stades kelnere hebben wolden, des sculden de ratmanne binnen desen ses jaren to allen tyden mechtyg wesen to dunne unde to latenne. ..." (Quelle: Stadtarchiv Oldenburg)

Das Rathaus um 1635

Das 17. Jahrhundert

Nach diesem Eintrag jedoch verdunkelt sich die Geschichte wiederum und erst mit dem 20.02.1672 lässt sich ein weiterer Eintrag entdecken. Urkundlich wurde dem Pächter Oswald Jansen verboten, französische Weine auszuschenken - aufrichtiger guter rheinischer und spanischer Wein sollte es sein.

Auch für die Oldenburger verhieß das letzte Viertel des 17. Jahrhunderts nichts Gutes. Nach den friedlichen Zeiten unter Graf Anton Günther (1603-1667), von dem in der Anton Stube ein Wandbild zu sehen ist, folgten nach 1667 schwere Zeiten.

Die Pest forderte ihre Opfer 1667/68 und ein Großbrand im Jahre 1676 zerstörte einen Großteil der damaligen Altstadt, mehr als 700 Wohnungen und 230 Nebengebäude. Nur etwa 120 Wohnungen blieben unzerstört. 1677 wurde mit dem Wiederaufbau der Altstadt begonnen.

Feierlichkeiten anlässlich der Verfassung vor dem Oldenburger Rathaus

Das 19. Jahrhundert

Und wiederum sollte mehr als ein Jahrhundert vergehen, bis erneut vom Ratskeller zu lesen war. Auch diesmal war die Erwähnung ein Verbot. So wurde der Versuch unternommen, dem damaligen Pächter des Ratskellers den Ausschank von Branntwein vertraglich zu untersagen. Es blieb bei dem Versuch...

Mit ausdrücklicher Entscheidung des Staatsministeriums und der ausdrücklichen Billigung des Großherzoges wurde am 25.01.1866 das jahrzehntelange Tauziehen um eine eingeschränkte Konzession im Ratskeller zwar beendet, doch den Gedanken daran bewahrte der Rat.

Mit dem Beschluss vom 11. Januar des Jahres 1887 wurde für das neue Rathaus festgelegt, dass der Ratskeller eine Restauration ersten Ranges darstellen sollte.

Das Rathaus um 1910

Das 20. Jahrhundert

1903 wurde dieser Beschluss vom Magistrat noch einmal ausdrücklich festgelegt, indem dem Wirt die Führung einer Restauration ersten Ranges vertraglich abverlangt und gleichzeitig untersagt wurde "Branntwein unter 10 Pfennig das Glas zu verabreichen".

Um den heutigen Rat der Stadt vor derartigen Eingriffsnotwendigkeiten zu schützen, soll auch jetzt und in Zukunft der Ratskeller in gutbürgerlicher Tradition geführt werden.

Soviel zur Geschichte des Ratskellers.

Um- und Ausbauarbeiten

Wiedereröffnung des Ratskellers

Nach einer gründlichen Inspektion der Räumlichkeiten im Februar 1999 stand schnell fest, dass intensive Renovierungs- und Umbauarbeiten bis zur Öffnung des Ratskellers notwendig sein würden.

In den folgenden drei Monate wurde alles dafür getan den Ratskeller in alter Schönheit zu errichten. Unter anderem wurde eine neue Theke eingebaut, die Anton Stube vergrößert und das Ratsstübchen ganz neu gestaltet. Am 22. Mai 1999 konnte die Wiedereröffnung des Ratskellers stattfinden.

Um diesen schon von Anfang an unter einem glücklichen Stern zu stellen, waren unter anderem auch die Schornsteinfegermeister der Stadt Oldenburg in Amtskleidung und großer Zahl bei der Einweihung des Ratskellers als Glücksbringer zugegen.

Internetseite, Stand 1. Mai 2000

Ratskeller-Oldenburg online

Der Ratskeller zu Oldenburg hat sich Dank seiner Geschichte und seiner Verbundenheit zur Stadt Oldenburg schnell wieder im Stadtgeschehen etabliert und wird von Oldenburger Bürgern wie auch von Touristen gerne und oft besucht. Viele Stammgäste, von nah und fern, haben sich schon eingefunden und bei Speis' und Trank so manche fröhliche Stunde verbracht.

Seit dem 1. Mai 2000 ist auch der Ratskeller im weltweiten Netz der Informationen zu finden. Wir haben versucht das Traditionsgemäße mit dem Neuen zu verbinden und hoffen damit einen guten Mittelweg gefunden zu haben.

Generationswechsel

Am 01.01.2004 übergab Wilfried Fey das Restaurant Ratskeller an seinen Sohn Sebastian. Herr Fey sen. behält sich aber als Geschäftsführer weiterhin beratende Funktionen vor. Familie Fey hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Restaurant im Herzen Oldenburgs als Anziehungspunkt für alle Gäste weiterzuführen.

 

Nachtwächter

Der Nachwächter - Ein Zeitzeuge berichtet

"Als Zeitzeuge kann ich zur 'Demontage' des Oldenburger Nachtwächters aus dem damaligen Kandelaber am Leffers-Eck folgendes berichten: Es muss Ende 1942 oder Anfang 1943 gewesen sein. Ich war damals 15 Jahre alt und gehörte dem damaligen Fanfarenzug Oldenburg an. In gewissen Zeitabständen gaben wir samstags am Leffers-Eck ein Platzkonzert, unmittelbar hinter dem Kandelaber. Wir hatten den Kandelaber mit dem Nachtwächter im oberen Teil darin ständig vor Augen. Siebelt Bless, auch ein Angehöriger des Fanfarenzuges war auch zugegen, ist aber inzwischen verstorben. Seinerzeit war auch der Vater des Siebelt Bless als Zuhörer am Leffers-Eck. Er war ein Lebensmittel-Kaufmann aus dem Melkbrink und unser übernächster Nachbar. Er trug den gleichen Vornamen, also Siebelt. Der Vater wollte seinen Sohn beobachten und stieg dafür an dem Kandelaber bis zum Nachtwächter hoch und hielt sich hier fest.

Der Nachtwächter gab nach und befand sich jetzt in einer Schräglage. Ich habe dieses Bild noch heute vor Augen. Ob der Nachtwächter verankert war oder nur lose in dem Kandelaber stand kann ich nicht mehr sagen. Nach meiner Erinnerung war eine Kabelverbindung zur Handlampe des Nachtwächters vorhanden. Vielleicht hatte diese die Verbindung zur Figur gehalten. Dieser Zustand konnte nicht bleiben, Der Nachtwächter wurde noch am gleichen Tag durch Angestellte der Stadt aus dem Kandelaber gehoben und zum städtischen Bauhof verbracht, der sich meines Wissens damals am Stau befand. Der Verbleib interessierte mich damals sehr. Später, also nach dem Kriege, wurde er an die Hauswand des "Stedinger Hof", also in unmittelbarer Nähe des inzwischen völlig demontierten Kandelaber befestigt.

Die Stadt Oldenburghat sich damals sehr um die Sicherstellung der Figur gekümmert. Sollte sie nicht doch im Eigentum der Stadt stehen? Ich fand als gebürtiger Oldenburger und als Jugendlicher gerade diesen Kandelaber durch den Nachtwächter sehr eindrucksvoll. Deshalb interessierte mich damals und danach die weitere Verwendung dieser Skulptur und freute mich immer, wenn ich den Nachtwächter im Eingangsbereich des Ratskellers begrüßen konnte."

Hans Hermann Spille Bezirksdirektor a.D. | vom 12.01.2001